„Im Grünen fings an und endete blutigrot. Und wenn sich der Verfasser mit offenen Armen in die Zeit gestürzt hat, so sah er nicht, wie der Historiker in hundert Jahren sehen wird, und wollte auch nicht so sehen. Er war den Dingen so nahe, daß sie ihn schnitten und er sie schlagen konnte. Und sie rissen ihm die Hände auf, und er blutete, und einige sprachen zu ihm: »Bist du gerecht?« Und er hob die blutigen Hände – blutig von seinem Blute – und zuckte die Achseln und lächelte. Denn man kann über alles lächeln .“
– Ignaz Wrobel-
Wenn ein Intellektueller einer ist, der etwas Einfaches kompliziert sagt und ein Künstler wiederum einer, der etwas Kompliziertes einfach ausdrückt, was für einer ist dann ein Verleger? Der, der am Ende die Miete kassiert? Ein manisch Besessener? Ein verhinderter Schriftsteller? Oder einer, der einem nichtsahnenden Publikum Dinge, die es nicht will, aufdrängt, weil er von ihnen überzeugt ist? Möchte man im Jahr 2015 einen Verlag führen, dann trägt man eine Last. Man bewegt sich auf vorbelastetem Terrain, alle, die dieser Berufsbezeichnung zuvor Bedeutung auferlegt haben, stellen sich einem in den Weg.
Deshalb begann auch dieser Text mit einer großen Zitiererei, mit Bukowski, mit Unseld, mit Eliot, mit Rowohlt. Eben nach dem Motto: Wenn du nicht weiter weißt, dann befrag‘ die grauen, alten Herren. Die wissen Rat. Nun, vielleicht. Selbstverständlich ist es unmöglich, als Verleger das Rad neu zu erfinden. Aber, und nach reiflicher Überlegung scheint dies die einzige triftige Motivation dafür, wenn man erkennt, dass jenes Rad nicht mehr ganz rund läuft: Dann darf, sollte und muss man trotzdem eine oder einer werden. Eine Verlegerin, ein Verleger. Oder gleich drei davon.
Alleine diese Erkenntnis mag schon eine Anmaßung sein und ja, genau so ist der Korbinian Verlag auch gemeint. Als Anmaßung. Wir maßen es uns an, diesen Verlag so zu führen, als würde das auf Papier gedruckte Wort nicht existentiell bedroht. Wir maßen es uns an, Literatur zu verlegen, die unterhält und aneckt. Literatur, die zweifelt, die kompromisslos sein möchte. Wir maßen es uns an, weil wir daran glauben. Weil es ohne das nicht voran geht. Weil wir glauben, dass es notwendig ist. Und deshalb maßen wir es uns auch an, nun Peter Suhrkamp herbeizuzitieren: „Machen Sie den Verlag so, wie Sie es für richtig halten. Wenn Sie dann noch Glück haben, dann wird’s gut.“

Der Korbinian Verlag Berlin existiert seit Mai 2015. Die Verleger sind Katharina Holzmann, Sascha Ehlert und David Rabolt.